Jan’s Filmtipp - The Warriors (1979)

Regie: Walter Hill
Darsteller: Michael Beck, James Remar, Deborah Van Valkenburgh, u.a.

Willkommen in meinem Salon werter Leser und willkommen zu einem weiteren Ausnahmethema welches uns einige Freiheiten bei der Genauigkeit läßt. Wobei ich selbstverständlich nicht irgendeinen Film wählen würde. Nein, ich habe mir auch diese Woche wieder etwas dabei gedacht. Aber bei allem was kommt, der Film um den es geht ist keinesfalls eine frühe Version von Gangs of New York (2002) obwohl die Grundlage gewisse Paralellen aufweist.

Das Thema für diese Woche ist “Wir sind verdammt noch mal nett” und obwohl es relativ schwierig erscheint denke ich doch die Aufgabe gut gelöst zu haben. Jetzt stellt sich die Frage welchen Film ich ausgesucht habe. Ich sollte vielleicht erwähnen dass ich das Spiel The Warriors (2005) vor einiger Zeit durchgespielt habe und sehr angetan war von der hübschen Umsetzung dieses Klassikers. Eine Gang in New York versucht zu überleben nachdem sie fälschlich eines Mordes beschuldigt wird. Die Warriors sind aber eigentlich ganz nett. Keine strahlenden Helden aber auch keine kaltblütigen Mörder. Naja es gibt zumindest einige vielfältige Persönlichkeiten und obwohl sich über Moral definitiv streiten lässt, es gibt wirklich ein paar gute Jungs im Film. Ein weiterer Grund diesen Film zu wählen war die Tatsache daß der Film von 1979 (Überraschung!) für 2008 ein Remake bekommen soll (The Warriors (2008) ) und ich finde man sollte davor noch einmal das Original bekannt machen. Sozusagen noch einmal den unsterblichen Klassiker hochleben lassen bevor das Remake alles verdirbt wobei ich jetzt noch nichts prognostizieren möchte. Tony Scott wird Regie führen und diese Aufgabe sicher nicht schlecht erfüllen. Sein erdiger, schwüler Großstadtstil den er z.B. in Filmen wie Domino (2005), The Fan (1996) oder The Last Boy Scout (1991) darstellte wird der Geschichte von Sol Yurick sicher nicht schlecht zu Gesicht stehen. Besonders der visuelle Stil von Domino hätte für mich einen besonderen Reiz für das Remake von The Warriors.

Can you count, suckers? I say, the future is ours…

Nun aber zurück zum Original von Genre Spezialist Walter Hill (Red Heat (1988), The Driver (1978)) der wie erwähnt 1979, im Jahr meiner Geburt, eine feine Geschichte auf den Weg brachte. Basierend auf Sol Yuricks Buch, welcher wiederum sein Buch auf der Erzählung “Anabasis” aufbaute, inszenierte Hill seinen Film über eine New Yorker Gang die nach einem Treffen der mächtigsten Gangs der Stadt beschuldigt wird den einzig wahren Cyrus (Roger Hill) erschossen zu haben. Dieser Cyrus war der Anführer der mächtigen Grammercy Riffs und eine Ikone der Gangwelt. Er hatte zu dem Treffen geladen um seine Pläne zur Vereinigung der Gangs und zur Unterwerfung der Stadt kundzugeben. Eine beeindruckende und charismatische Rede bei der unglücklicherweise ein Schuss fiel, ein Schuss der all die schönen Pläne in Schießpulverrauch aufgehen ließ und die Zukunft einiger Warriors aufs Spiel setzte. Die Warriors sind nämlich eine junge und aufstrebende Gang aus Coney Island und mit ihrem Anführer, dem “Warchief”, Cleon (Dorsey Wright) angerückt um Cyrus ihre Aufwartung zu machen. Das Problem ist nur daß ihnen keiner wirklich vertraut da keiner die Gang wirklich kennt. Als der Schuss fällt und der feige Attentäter Luther (David Patrick Kelly), in der Annahme keiner hätte ihn gesehen, die Schuld den Warriors zuschiebt wird dies von der Masse auch erstmal dankend aufgenommen. So beginnt ein wahrlich schwerer Heimweg für Gang da die Riffs unter der jetzigen Führung von Cyrus rechter Hand Masai (Edward Sewer) zur Jagd auf die angeblichen Verräter blasen.

Warriors, come out to play-i-ay

Die erwähnte Erzählung Anabasis von Xenophon lieferte eine interessante Grundlage für das Buch sowie den Film. Die Hierarchie der Gang, die Erwähnung von Truppen, Gangmitgliedern als Soldaten deutet auf einen Kodex hin der eine gewisse Tiefe besitzt wenn auch eher archaisch und vergleichbar mit einem Nichtschwimmerbecken in dem man immer noch stehen kann ohne sich zu verlieren. In der Anabasis findet sich aber auch ein grobes Gerüst für die Geschichte der Warriors. So basiert z.B. Cyrus direkt auf dem Prinzen Kyros welcher versuchte das persische Reich zu übernehmen und ermordet wurde. Der entbehrungsreiche Rückzug der griechischen Truppen ist in Form der Gangwanderung durch New York aber ebenso vertreten.

Why’d you do it? Why’d ya waste Cyrus?

Ob es die Warriors zurück nach Coney in ihr Turf (slang: Gangland, Gebiet) schaffen sollte man bezweifeln und tatsächlich bleiben ein paar von ihnen auf der Strecke wobei ich jetzt den Teufel tun werde und euch verrate wer diese armen Schweine sind. Auch werde ich nicht mehr viel über den Psycho Luther verraten, selbst Anführer einer Gang, einfach nur abgedreht und gefährlich, frei von jedem Kodex und jeglicher Skrupel. Er ist das Schwein unter Schweinen denn natürlich ist keine der Gangs wirklich liebenswert. Die harten Jungs sind Kriminelle und trotz einiger Sympathiepunkte in jedem Fall keine strahlenden Helden. Die Warriors sind aber auch hier ein wenig anders. Nun ja zum Ende hin sicher denn diese Nacht der Jagd werden die Überlebenden sicher nicht vergessen. Es prägt die Jungs und lässt sie reifen. Das Ende am Strand zeigt sich versöhnlich und fast schon kitschig aber soviel kann man ja verraten. Es ist eben bei allen Ecken und Kanten doch auch ein Hollywoodfilm und trotz seines Alters eben auch typisch auf ein Happy End getrimmt. Das ist aber keinesfalls störend oder problematisch für den Genuss des Films. Es ist vielmehr ein verdientes Ende und steht symbolisch für ein neues Kapitel in dem die Verluste der Nacht vielleicht keine Rolle mehr spielen. In dem das Team, die Gang wieder fest zusammen steht und neue Herausforderungen warten. Ob man das kriminelle Treiben gutheißen kann? Am Ende möchte man es fast. Es ist eine fast magische Wirkung die da entsteht und bei der man nicht genau weiß woher sie kommt. Zum einen sind die Bad Guys, die Gangstas sicher attraktiv, die Rebellen anziehend und das Böse in Form von Gewalt/Kriminalität hatte sowieso schon immer einen ganz besonderen Zauber. Darüber ließe sich mit Sicherheit auch lange diskutieren. Dies wurde bereits schon mehrfach getan und hatte sogar dann und wann Folgen. Eine Folge war eine Änderung des Filmplakats wobei das eher in der Tatsache begründet lag daß man in der Tagline des Plakats provokativ damit angegeben hatte die Gangs von New York könnten die Stadt übernehmen.

Can you dig it?

Was der werte Leser dieser Zeilen davon hält, wie das moralische Empfinden der Contrasehen Zuschauer aussieht und ob überhaupt jemand diesen Film gesehen hat oder sehen wird werden wir dabei nur erfahren wenn die Kommentarfunktion genutzt wird. Es würde mich freuen. Ein kleiner Hieb, ein kleines Lob oder einfach eine spontane Emotion könnten hilfreich sein. In einer der Gangs würde ich sicher Mittel und Wege finden meine Kommentare zu bekommen aber ich bin in keiner Gang. Naja zumindest nicht in so einer wie im Film. Das Contrasehen Team ist nicht so brutal. Nicht immer! Ehrlich! Wir sind verdammt nett! Wir sind aber trotzdem bereit den Kampf für sie zu kämpfen und die Sache auf den Weg zu bringen. Hier auf unserem Turf…äh unserer Webseite. Nun und vielleicht bleibt uns der ein oder andere ja auch noch treu, wird ein Mitglied der Gang. Ein Mitglied der Gemeinschaft und ein treuer Zuschauer von Contrasehen.de