Hallo! Jemand da? Äh ich muss zugeben sie beinahe vergessen zu haben. Nun werter Leser aber jetzt bin ich hier und wie immer habe ich ein kleines Filmchen im Gepäck um es zu empfehlen. Für diese Woche und dieses Thema war es wieder nicht ganz so einfach. Zum einen weil es Raum für Interpretationen lässt und zum anderen weil, selbst wenn man sich auf eine Bedeutung festlegt, es immer noch zu viele Filme in der Auswahl gibt. Wie also die Liste minimieren? Wie einen besonderen Film finden und die Empfehlung aussprechen?
Als mir gesagt wurde es ginge zentral um den Sinn des Lebens im nicht unbedingt religiösen Sinn schoss mir dann doch ein Film durch den Kopf. Das Problem: Er ist bis jetzt nicht ganz so leicht zu sehen. Der ein oder andere hat ihn vielleicht schon gesehen und wieder andere haben vielleicht wenigstens schon die Bücher gelesen auf welchen der Film basiert. Persepolis (2007) ist die Umsetzung der preisgekrönten Comicbücher von Marjane Satrapi, einer Iranerin die heute in Paris, Frankreich lebt und in den Büchern über ihre Kindheit im Iran, ihre Jugend in Europa, das Erwachsenwerden, Vorurteile, Religiösen Eifer und den Iran erzählt. Ziel von Satrapi war hierbei das Bild des Iran in der Welt zu verbessern denn wie sie selbst erfahren musste sind die Vorurteile in der Welt groß und wer jetzt denkt dies ist erst seit dem 11. September so der wird erfahren daß das schon früh seinen Weg in die Gedanken der westlichen Welt fand.
Frei von irgendwelchen fanatischen Standpunkten zeichnet Satrapi das Bild ihrer Heimat. Sie beschönigt nichts, auch sich selbst nicht, zeigt Wege des Terrors aber auch stets die andere Seite. Durch die Episoden ihres Lebens werden immer wieder Punkte in der modernen iranischen Geschichte beleuchtet. Das Leben unter dem Schah oder die islamische Revolution (welche unser heutiges Bild vom Iran stark geprägt hat) und den Einfluss auf das Volk. Auch der Krieg gegen den Irak und die Opfer, die Rolle der Frau und der Wandel durch das Regime sind ein Thema und über all dem steht für Marjane oder auch Marji, wie sie liebevoll von ihren Freunden genannt wird, eben auch der Sinn des Lebens. Dieser wird mehr als einmal hinterfragt. Sogar Selbstmord wird infolgedessen in Betracht gezogen, Gott in Frage gestellt und in ihrem Bestreben glücklich zu sein erscheint Marji dem Zuschauer unglaublich greifbar, ihre Ängste und Wünsche real und ihre Figur bei allen Fehlern sympathisch. Man muss die freche kleine Iranerin einfach mögen. Mir persöhnlich ging es so weil ich ihre Ehrlichkeit schätze. Zwar gibt es Szenen in denen man sie erlebt und in denen man sich vielleicht distanziert weil man ihr Handeln oder denken nicht teilt aber es sind eben manchmal Fehler oder Eigenheiten welche menschlich sind und ihre Bescheidenheit an anderer Stelle gleicht dies wieder aus. Marji reflektiert sich selbst und zeigt dabei eben ihre Stärken sowie auch ihre Schwächen. Sie zeigt aber auch ihr Land und ein Problem. Es steht zwar außer Frage daß es viele Menschen im Iran gibt die dem Regime treu ergeben sind und dadurch fanatisch erscheinen und es natürlich auch manchmal sind aber man vergisst daß es diese Menschen eben nicht stellvertretend für den Iran stehen und nur einen Teil des Ganzen darstellen. Nein, jetzt vergisst man es bestimmt nicht mehr da Satrapi nicht nur “die Bärtigen” sondern auch all die kleinen Helden des Volkes im Alltags hervorhebt. Das Volk, der Konflikt mit dem Islam und den strengen Regeln und das auflehnen gegenüber der Obrigkeit zeigen daß die Iraner anderen Völkern garnicht so unähnlich sind. Es sind größtenteils Klischees die man dem Iran aufdrückt und viele sind dabei so unfair daß man stets hinterfragen sollte was in der Welt erzählt wird. Größtenteils wird das Bild durch die Regierung geprägt und damit hat der Iran im Grunde das gleiche Problem wie die USA denn genauso wie der Iran haben die Vereinigten Staaten nicht den besten Stand bei vielen Menschen in der Welt wobei auch da klar sein sollte daß es im Moment nur die Regierung und eben einige treue Anhänger sind und nicht alle Amerikaner. Ein Land ist eben nicht zwingend die Regierung. Wie es Michael Moore (II) einmal gesagt haben soll muss man nicht die Regierung unterstützen um ein Patriot zu sein. Man kann sein Land lieben und trotzdem gegen die Regierung sein und so ist es auch bei Marjane Satrapi. Es ist im Grunde nicht einfach alles zu beschreiben was Persepolis ausmacht. Es sind eine Menge Details und genauso wie die Wochen zuvor könnte man sicher ein paar Seiten füllen. Das werde ich jedoch auch hier wieder nicht tun und lege stattdessen dem Leser dieser Zeilen auch das lesen der Bücher zu Persepolis nahe. Beide Bände sind günstig zu haben ihr Geld mehr als wert. Der besondere Stil der Illustratorin Satrapi ist passend und fand seinen Weg auch in die animierten Bilder des Films. Ungewöhnlich aber einprägsam erobert die Geschichte die Herzen und erntet Kritikerlob und Preise.
Abschließend muss ich glaube ich nicht mehr sagen daß Persepolis auch zu dieser Seite passt da contra zu sehen der Schlüssel zum Erfolg der Geschichte ist und Objektivität gegenüber der Subjektivität immer immer den Vorzug haben sollte. Wie schwer das natürlich ist weiß ich selbst und auch Satrapi gelingt es nicht immer vollständig aber es ist der Versuch, der Ansatz welcher zählt und der weit über all dem steht was Milliarden anderer Menschen auf der Welt als Aufopfernd empfinden und was letztendlich nur einen müder Abklatsch der Menschlichkeit bildet. Wer hier anders denkt ist gerne dazu eingeladen seine Meinung zu schreiben. Für diese Empfehlung jedoch verbleibe ich aber jetzt erstmal hier mit diesen Worten und hoffe auf die Neugier der Leser.