Ich grüße sie werter Leser und sage erneut willkommen zu einer Filmempfehlung aus meiner Feder. Poetisch wie ich nunmal bin schreibe ich Feder und nicht aus meinem verdrehten Geist, durch meine ungewaschenen Finger, über die verstaubte Tastatur in den verdammten Rechner. Wie ich das Teil manchmal hasse! Nun aber genug der Verspieltheit und der groben Worte. Kommen wir lieber zum Thema der Woche und dem Grund warum ich so aggressiv, ja beinahe feindselig wirke. Das Thema der Woche ist Rentner prügeln und hat mich zum ersten Mal seit bestehen von Contrasehen in eine Misere gebracht denn ich fragte mich welchen Film ich wählen könnte. Sollte ich Contra und Quer denken und einen Film wie Rocky Balboa (2006) nehmen? Nein, das wäre angesichts der ernsten Lage keinesfalls angemessen und abgesehen davon vielleicht etwas zu sehr contra und quer. Na oder hätten sie den Witz kapiert? Für eine Antwort gibt es ja immer noch die Kommentarfunktion. Oh und jetzt bitte keinen Hass auf mich weil ich den ein oder anderen wieder zu einem Kommentar nötigen möchte. Wir alle brauchen Perspektiven und Kommunikation kann uns dazu verhelfen. Hier jedoch verläuft Kommunikation meist sehr einseitig. Traurig wie ich jetzt bin vergesse ich fast wieder zum eigentlichen Thema zu kommen. Moment! Muss nur kurz ein wenig Disturbed auflegen…hach jetzt weiß ich es wieder. Diese Woche geht es um Rentner prügeln und um die Hintergründe.
Es gibt viele Filme welche sich theoretisch anbieten. Filme über Jugendgewalt, Immigration, Rassenhass oder andere verwandte Themen. Darin lag aber auch mein Problem denn wo ein Thema wie Medien ein gewisses Gebiet absteckt lässt sich zu diesem Thema eine Menge sagen und eine Menge Verbindungen zu anderen Themen lassen sich ziehen. Welchen Film man dann auswählt lässt eine vielleicht recht einseitige Perspektive auf das Ganze zu und dies liegt keinesfalls in meinem Interesse. Vielleicht hatte ich in den letzten Wochen auch mal leichte Kost im Programm aber das soll nicht heißen daß mir das hier nicht wichtig wäre. Immerhin geht es uns alle etwas an und die Lösung liegt nicht direkt vor uns, sie liegt ein paar Ecken weiter. Nun ja und um die Ecke denken ist immer so eine Sache.
Die Empfehlung für diese Woche ist ein moderner Klassiker von Mathieu Kassovitz (Die Purpurnen Flüsse (2000), Gothika (2003)) und aktuell in vielerlei Hinsicht. Im Film Hass - La Haine (1995) geht es um drei junge Männer in einem französichen Vorstadt Ghetto. Drei junge Männer mit unterschiedlicher Herkunft und wenigen Perspektiven für ihr weiteres Leben. Wir folgen Vinz, einem Juden, Saïd, einem Araber und Hubert, einem schwarzen Boxer im Film über eine Zeitspanne von 24 Stunden in denen so manches passiert. Es ist schnell klar wie die Uhren ticken. Alle Drei sind in der Vorstadt aufgewachsen wo sich die große Vielfalt, gepaart mit dem Rassimus und der Unterdrückung durch die Polizei zu einem Pulverfass entwickelt. Ein Polizist verliert in dem Chaos während den Aufständen in der Nacht zuvor seine Waffe welche Vinz daraufhin findet. Vinz sieht hier seine Möglichkeit Respekt zu erlangen. Er schwört einen Polizisten zu töten wenn sein im Krankenhaus liegender Freund Abdel stirbt. Dieser war zuvor in Polizeigewahrsam von einem Polizisten zusammengeschlagen worden.
Es ist klar daß dieser Film keine leichte Kost ist. Zwar gibt es sicher härtere Filme aber dennoch bleibt einem dieser hier auf besondere Art im Gedächnis. Eindringlich erzählt und toll gespielt spricht Hass Probleme an die in unserer Gesellschaft tief verwurzelt sind und gerade deswegen weiter und weiter anwachsen. Zu viel Nahrung bekommt der Hass und ohne seinen Urspung lässt er sich nicht so ohne weiteres bekämpfen. Wir erinnern uns an die Aufstände in französischen Vorstädten vor ein paar Jahren und die dortigen Ursprünge. Sehen wir uns auch hier diesen Film an! Er ist aus dem Jahre 1995 und trotzdem immer noch unglaublich präsent und das nicht nur weil er in großer Auflage auf DVD gepresst wurde und bei aller Liebe zum Thema auch sonst ein gutgemachter Film ist. Er passt zu unserem Thema weil es bei den geprügelten Rentnern eben auch Mitbürger mit ausländischen Wurzeln waren und ich sage bewusst Mitbürger auch wenn dieses Wort in den meisten Köpfen, im Zusammenhang mit Ausländern, keine Rolle spielt. Wir müssen aber begreifen wie tief dieses Problem geht und auch wenn mancher Politiker einfach ein Gesetz erlassen möchte, ganz so einfach werden wir unsere Dämonen der Vergangenheit nicht loswerden. Oh und damit meine ich nicht unsere ausländischen Mitbürger. Dachten sie das etwa werter Leser? Oh schämen sie sich! Das ist nicht nett und trotzdem muss man natürlich auch Mitleid mit den Rentnern haben welche da so hart und unfair angegriffen wurden. Ob ich es gut finde daß junge Menschen, mit möglichem Migrationshintergrund, Rentner verprügeln? Selbstverständlich nicht! Ich meine klar es gibt Rentner die einem schon verdammt auf die Nerven gehen können und da war doch mal der eine welcher mich während des Zivildiensts als Drückeberger beschimpft hat…ja…den könnte man…
Entschuldigen sie werter Leser! Da war für einen Moment mein niederer Instinkt am Computer. Ich habe diese Gedanken nicht wirklich aber selbstverständlich sind sie mir auch nicht ganz fremd. Wie ist es mit ihnen? Beinahe jeder den ich kenne sagt er hasst nicht oder würde nie Gewalt ausüben gegenüber einem anderen Menschen. Diese Personen sind aber meist jene die dann im Streit eine Tür knallen oder mit der Faust auf den Tisch schlagen. Es brodelt in ihnen und so brodelt es in jedem von uns. Was erwarten wir denn von ausländischen Mitbürgern oder Mitbürgern aus Minderheiten? Vor allem frage ich was wir erwarten wenn bei aller Gastfreundschaft einiger Deutsche der Rest immer noch feindselig und kritisch ist. Wenn es soziale Unterschiede gibt und Jugendliche in eine Unterschicht gedrängt werden. Dies ist traurigerweise nicht mehr nur auf ausländische Mitbürger beschränkt. Der einzige Unterschied ist dann vielleicht nur noch daß die ausländischen Jugendlichen einen Rentner verprügeln und die deutschen Jugendlichen sich eine Glatze rasieren und dann die Ausländer verprügeln. Die fühlen sich dann wieder bedroht und verprügeln wieder einen Rentner…naja und wenn sie nicht gestorben sind bei einer ihrer Prügeleien dann geht das immer so weiter. Die Medien freut es denn Gewalt ist immer gut für die Quote und wenn man Redakteur der Bildzeitung ist dann gibt es um so mehr Freude über prügelnde Ausländer und heldenhafte Deutsche…auch wenn diese zuuuufällig eine Glatze haben. Ach aber ich will ja keinen Hass gegen die Bildzeitung schüren. Dieses wundervolle Blatt, diese Broschüre mit dem nackten Mädchen von Seite wie auch immer.
Es ist egal werter Leser denn wie sie vielleicht merken bin auch ich hin und her gerissen. Wie es im Film Sieben (1995) so schön heißt ist Hass und Apathie eine nachvollziehbare Emotion da sie kaum Mühe erfordert. Liebe ist bei allen Vorteilen für uns und die Gesellschaft für viele einfach zu anstrengend. Liebe erfordert eine gewisse Aufopferung und Hingabe und so kann die Aufforderung für diese Woche neben der Empfehlung für diesen Film nur auf eine Weise formuliert werden. Der werte Leser sollte contra sehen, quer denken (um die ein oder andere Ecke), lieben und Liebe verbeiten. Das wäre Angesichts des deprimierenden Themas nur konsequent wenn wir wirklich etwas bewegen wollen. Keine Sorge wenn sie glauben alleine zu sein, sie sind es nicht! Seien sie stehts versichert werter Leser daß hier an dieser verstaubten Tastatur ein Mensch sitzt welcher ihnen die da contra sehen auf Contrasehen.de beisteht. Wer Liebe gibt der bekommt auch Liebe. Ok ich gebe zu ein wenig zu optimistisch und verklärt romantisch zu sein aber auch das hilft. Optimismus kann eine Perspektive öffnen und es heißt, nicht zuletzt und allen Zweiflern zum Trotz, immer noch sehr schön und unvergesslich daß die Hoffnung in all ihrer Wirkung stets zuletzt sterben wird. Leben wir damit und handeln bevor der Hass uns verschlingt. Bei all der Düsternis unserer Zeit ist letztendlich jeder noch so kleine Schritt es wert und mit jedem Zentimeter ein erstrebenswertes wirken auf dem Weg zum Ziel.