Regie: Tony Scott
Darsteller: Will Smith, Gene Hackman, Jon Voight, u.a.
Eine neue Woche, eine neue Folge und wieder begrüße ich die oder den werten Leser hier in meiner kleinen Ecke auf Contrasehen.de. Ich bin relativ guter Dinge und das Thema für diese Woche bietet ein paar schöne Möglichkeiten. Die Vorratsdatenspeicherung ist ein durchaus plausibles Mittel für die moderne Strafverfolgung, eine fragwürdige Maßnahme für einen Staat und schlicht ein gutes Thema für eine Diskussion. Selbst Filme haben sich dem Thema schon angenommen und auch wenn nicht jeder Film solch moderne Wege geht muss man die Überwachung durch den Staat schon einigen älteren Erzählungen anrechnen.
Der absolute Klassiker ist da sicher 1984 (1984) mit John Hurt nach dem Roman von George Orwell. Das Buch, sowie auch der Film, prägten den Satz “Big Brother is watching you!” tief in die Hirne der Menschen und eine makabere Profitgier geschmackloser TV Produzenten verwendete den Big Brother als Symbol und Titel für eine Show. Eine Show der totalen Überwachung. Bei Orwell fiktiv aber hier plötzlich real und verrückterweise zur puren Unterhaltung der anspruchslosen Zuschauer. Real oder zumindest auf realen Wurzeln wachsend blüht auch Das Leben der Anderen (2006) als eine Version dessen heutzutage möglich ist. In dem Oscar prämierten Meisterwerk von Florian Henckel von Donnersmarck ging es um die Überwachung des Volkes der DDR durch die Stasi. Damals noch mit recht einfachen Mitteln spionierte die Staatssicherheit beinahe jeden aus der als Feind des Landes betrachtet werden konnte wobei die Kriterien für die Einstufung dieser Feinde relativ frei gewählt waren. Gemessen an den heutigen Möglichkeiten ist das aber noch garnichts. Wo die Stasi noch mit einem gewissen Personal und Arbeitsaufwand zu werke ging genügen heutzutage fast nur gute Suchalgorithmen und entsprechend große Datenspeicher. Schon lange warnt man vor zuviel Internetpräsenz da der Glaube man wäre im Netz anonym schon immer recht naiv war aber bis auf Übergriffe gewisser krimineller Elemente war man vor größeren Eingriffen durch eine Staatsmacht weitestgehend durch das Gesetz geschützt. Die Amerikaner haben es aber mit dem Patriot Act vorgemacht und gezeigt wie weit ein Staat in unserer vielgepriesenen westlichen Welt gehen kann unter dem Deckmantel des Terrorkriegs. Deswegen soll die Empfehlung dieser Woche nicht nur ein Film der modernen Zeit sondern auch ein amerikanischer Film sein. Ein Film den die Traumfabrik in ihrem eigenen kleinen Traum vor dem 11. September geträumt hat und der manch interessante Vision des Lebens in einem “freien” Land offenbart. Der Staatsfeind Nr. 1 (1998) ist darüber hinaus auch noch ein solide inszenierter Thriller von Regisseur Tony Scott (Bruder von Blade Runner Regisseur Ridley Scott) und mit Schauspielgrößen wie Will Smith, Gene Hackman oder Jon Voight auch mehr als gut besetzt.
Der Film beginnt als ein junger Mann versehentlich einen Mord beobachtet und damit auf ein politisches Intrigenspiel aufmerksam wird. Die versehentliche Aufzeichnung dieses Mordes und daß damit vorhandene Beweismaterial macht ihn zur Zielscheibe des Geheimdienstes. Als er bei seiner waghalsigen Flucht auf Robert Clayton Dean (Will Smith) trifft schafft er es das Band scheinbar unbemerkt zu übergeben und stirbt schließlich auf offener Straße. Das Problem für den geschockten Mr. Dean ist daß nur er von der Übergabe nichts gemerkt hat. Das beiläufige hineingleiten in eine seiner Taschen entging dafür aber nicht den Überwachungskameras im Laden wo Dean einkaufte wodurch der Geheimdienst genug Information erhält um die Jagd auf den jungen Anwalt zu eröffnen. Was folgt ist eine Hetzjagd bei der Dean versucht seinen Ruf wiederherzustellen und in der ein oder anderen Situation auch am Leben zu bleiben. Er trifft dabei auch auf Brill (Gene Hackman) einem undurchsichtigen Mann mit großem Insiderwissen. Gemeinsam nehmen die zwei Männer den Kampf gegen das System auf.
Obwohl sich der Film einige künstlerische Freiheiten nimmt ist das Bild welches gezeichnet wird plausibel. Wissen ist Macht und der Geheimdienst kann sein Wissen über eine Person durch Hochtechnologie problemlos erweitern. Selbst die im Film mächtigen Überwachungssateliten sind bei der Betrachtung von Google Earth bei weitem nicht mehr so unrealistisch wie sie vielleicht auf den ersten Blick scheinen. Die Kameras auf öffentlichen Plätzen, in Geschäften und anderen Stellen liefern die zusätzlichen Bilder. Kreditkarten, Magnetkarten von Banken und nicht zuletzt unsere Onlineaktivitäten liefern letzte Infos mit denen wir mehr von uns preisgeben als uns gefallen dürfte. Aussuchen können wir es uns nicht. Wenn das Gesetz kommt und der Datenschutz kippt ist eine lückenlose Überwachung von Personen problemlos möglich.
Naja aber ich male den Teufel an die Wand, es geht ja eigentlich nur um die Vorratsdatenspeicherung und die ist ja eigentlich garnicht so schlimm und mit Sicherheit wird unser toller Staat alle gewonnenen Erkenntnisse wirklich nur in die Bekämpfung von echten, üblen Verbrechern stecken. Ob Pädophile oder ein paar Glatzen von der NPD, es ist egal und vielleicht trifft man ja auch wirklich auf ein paar bööööse Terroristen die da eine Bombenstimmung verbreiten. Ich meine klar das kann schon sein.
Wo aber sind die Grenzen? Wo darf man spionieren und wo sollte man wegsehen? Wo ist Datenschutz sinnvoll? Im Grunde überall und im Sinne unserer Menschlichkeit sollten wir darauf hinarbeiten. Wir sollten nicht den großen Bruder spielen selbst wenn wir es vielleicht können. Nicht alles muss ausprobiert und ausgenutzt werden. Nicht überall muss Kontrolle ausgeübt werden. Wobei Menschen natürlich auch nach Kontrolle verlangen. Wir wollen geführt und beschützt werden. Warum sollten wir dann also gegen den Vorratsdatenspeicher sein? Vielleicht weil wir uns erinnern und uns weiterentwickeln wollen zu einer gewissen Eigenständigkeit? Schwer zu glauben in Zeiten von Big Brother im Fernsehen, YouTube Videoblogs und George W. Bush im weißen Haus. Naja aber sehen wir es positiv, es kann kaum schlimmer werden. So und jetzt sage ich noch daß alles geschriebene nicht ernst gemeint war und eventuelle Kritik nicht übel. Naja wer weiß wer diesen Text in Zukunft speichert und wer dann am längeren Hebel sitzt. Es soll sich ja keiner angegriffen fühlen. Ich wollte doch nur wieder ein wenig contra sehen und eine gute Empfehlung schreiben. Allen düsteren Prognosen zum trotz sollten wir uns aber gewisse Freiheiten immer noch gönnen und dabei zwar mit Bedacht vorgehen aber wenigsten vorgehen. Den Mut nicht verlieren und uns selbst treu bleiben und im Zuge dieses letzten Satzes widerrufe ich und stehe doch zu meinem Text. Diese Freiheit gönne ich mir. Es ist ja nur ein Text. Er tut niemandem weh und alles andere wäre ja auch unverzeihlich gegenüber meinen Lesern jede Woche hier im Internet auf Contrasehen.de.
Du hast Brazil vergessen! Auch ein klasse Film der gepasst hätte!
@ warchief
Richtig! Im Grunde wären auch noch Filme wie “A Scanner Darkly – Der dunkle Schirm” denkbar gewesen. Ich habe bei manchen Themen eine sehr große Auswahl an Filmen aber es kann letztenendes nur einen geben. Ob die Entscheindung eine gute war? Nunja sagt ihr es mir
Super Entscheidung der Film. Benutze ich ständig in meinem Unterricht zum Thema Datenschutz. Aufgabe: Welche der gezeigten Überwachungsmaßnahmen sind real möglich und welche entspringen der Fantasie Hollywoods?