Jan’s Filmtipp - Der Krieg des Charlie Wilson (2007)

Regie: Mike Nichols
Darsteller: Tom Hanks, Julia Roberts, Philip Seymour Hoffman, u.a.

Willkommen werter Leser und ich wünsche erneut viel Vergnügen beim Filmtipp der Woche. Ich hätte es beim letzten Mal belassen können da das Thema heute immer noch das gleiche wie in der letzten Woche ist aber da ich zwei Filme zur Auswahl hatte und nur einen empfohl möchte ich nun den anderen nachreichen. Eigentlich brauche ich hier keine langen Vorreden. Die Geschichte um die es geht ist so typisch für das Leben und seine teils absurden Seiten. Charles Nesbitt “Charlie” Wilson wurde 1933 in Texas geboren. Er war ein Seeoffizier und sogar Kongressabgeordneter der Demokraten aber erst seine Leistung hinter den Kulissen der USA und im Grunde der gesammten Weltpolitik sollten ihn unsterblich machen. In einer führenden Rolle bei der größten verdeckten CIA Operation aller Zeiten half er den afghanischen Mudschahidin im Widerstand gegen die Sowjetische Invasion. Eine Hilfe mit weitreichenden Folgen aber auch ein Stoff für einen tollen Film.

Charlie Wilson’s War (2007) von Mike Nichols ist eine Erzählung der Ereignisse von damals und eine Satire über Politik, Krieg und jene die beides irgendwie verantworten. In seinen biographischen Grenzen zwar ziemlich eingeschränkt entfaltet der 1931 in Berlin geborene Regisseur dennoch ein absolut sehenswertes Stück moderner Filmgeschichte. In seiner Vergangenheit war Nichols schon einmal mit einer beißenden Kriegssatire aufgefallen und hatte mit Catch-22 (1970) einen Klassiker des Genres hingelegt den zu übertreffen hier aber nicht das Ziel war. Ohnehin sind die Schwerpunkte in beiden Filmen ganz anders verteilt und haben obwohl es um Krieg und Politik geht nicht wirklich viel miteinander zu tun. Catch-22 (1970) ist dafür in mancher Hinsicht viel zu surreal und zu absurd. Es ist eine fiktive aber dennoch starke Geschichte wobei Charlie Wilson eine Biographie liefert die man eben nicht so leicht verändern kann.

Naja man könnte schon und mit Sicherheit hat man das auch in der ein oder anderen Szene. Jedoch wurde dies sicher nicht übermäßig getan und auch nur dort wo es nötig war um dem Film eine Form zu geben. Dramatisierung und Ergänzung ist manchmal unumgänglich da eben manchmal in einer Geschichte Fragen gestellt werden die eine Biographie aus der Sicht eines einzelnen nicht immer beantworten kann. So ist auch ein guter Autor für ein Projekt wie dieses eine Pflicht. Aaron Sorkin war hier der Mann an der Feder, den Tasten oder woran/womit er auch immer sein Drehbuch verfasste. Über ihn gibt es hier bis jetzt nicht so viel zu sagen außer daß er überwiegend als Autor und ausführender Produzent bei TV Serien wie “Studio 60 on the Sunset Strip” (22 episodes, 2006-2007) oder “The West Wing” (155 episodes, 1999-2006) tätig war. Einer der bekannteren Filme aus seiner Feder ist sicher Malice (1993) mit Nicole Kidman bei dem Sorkin nicht nur das Drehbuch schrieb sondern auch die Story lieferte.

Für die Rollen der Hauptfiguren konnten ebenso passende und insgesamt namhafte und talentierte Schauspieler gewonnen werden. In der Rolle des Charlie Wilson glänzt der zweimalige Oscargewinner Tom Hanks, an seiner Seite steht die Preisträgerin Julia Roberts (Erin Brockovich (2000)) und der durch Capote (2005) ebenfalls zu Oscarehren gekommene Philip Seymour Hoffman komplettiert das Trio. Zu ihnen gesellen sich noch weitere bekannte Gesichter der Branche aber ich will es jetzt erstmal bei den dreien belassen da ich finde daß die bereits erwähnten Details ein paar wundervolle Zutaten sind. Zutaten für einen Film den man wirklich genießen kann an dem ein oder anderen Abend im Kino.

Der Film behandelt speziell den Aufstieg Wilsons vom einfachen Kongressabgeordneten zum “Warlord” und Befreier der Afghanen. In den frühen 1980ern ist Charlie Wilson allerdings noch eher ein Frauen als ein Kriegsheld und scheint in der zweiten Liga der Politik zu spielen wenn man die Tatsache beiseite läßt daß er zwei wichtigen Komiteen für die Auslandspolitik und verdeckte Operationen angehört. Durch die Unterstützung der konservativen Joanne Herring (Julia Roberts) lernt Charlie aber viel über die Not der Afghanen welche zu der Zeit unter der Sowjetarmee leiden. Diese hatte damals das Land unter einer brutalen Herrschaft da die Russen weitaus besser ausgerüstet und ausgebildet waren. Mit der Hilfe des Eigenbrötlerischen CIA Agenten Gust Avrakotos (Philip Seymour Hoffman) entschließt sich Wilson dazu den Afghanen eine angemessene Hilfe zukommen zu lassen. Unter seiner Führung wird das Budget für verdeckte Operationen in Afghanistan auf fast eine Milliarde US Dollar erhöht und hat damit einen erheblichen Einfluss auf den Konflikt im Land. Das Ziel ist dabei unentdeckt zu bleiben und dem Volk von Afghanistan zu seinem eigenen Sieg zu verhelfen. Sicher nicht ohne Hintergedanken und ohne Probleme. So muss auch Charlie Wilson schlussendlich lernen daß neben dem militärischen Sieg auch noch Konsequenzen liegen und ein gewisser Preis selbst darüber hinaus gezahlt werden muss.

Es ist schon unglaublich wie ein einzelner Mensch eine solche Kette von Ereignissen in Gang setzen kann. Ein wenig fühlt man sich an die Chaostheorie und den Schmetterlingseffekt erinnert aber so ist es eben in der Welt. Manchmal kann der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort eine Menge verändern. Wilson hatte ja auch nur die Augen offen gehalten und einen Konflikt gesehen den andere wohl übersehen oder schlicht ignoriert hatten. Was in Afghanistan geschah war zweifellos kein kleines Geplänkel da es immerhin eine große Zahl der Menschen dort zur Flucht veranlasste. Nun und vielleicht war es tatsächlich Wilsons guter Vorsatz der dieses Eingreifen von Seiten der USA provozierte. Der Abgeordnete war zuvor ja eher durch seine Partys und den damit verbundenen ausschweifenden Lebensstil bekannt und berüchtigt. Ja, vielleicht wollte Charlie Wilson wirklich nur ein reines Gewissen und als Politiker endlich mal etwas bewegen.

Hierbei war aber sicher nicht bedacht wie schwerwiegend ein solches Eingreifen sein kann. Zwar sind nicht alles Wurzeln der Waffen und Ausbildungen moderner Gotteskämpfer in der Wilsonära zu finden aber tatsächlich sind es eben immer auch diese kleinen verdeckten Operationen gewesen die letztendlich wie ein Bumerang auf die Staaten zurückschlugen. Immerhin soll sogar Osama Bin Laden von der CIA ausgebildet worden sein. Ich meine ich war jetzt nicht dabei und geredet wird ja viel aber im Zuge der teils eben schon recht absurd wirkenden Weltpolitik und dem Säbelrasseln der Mächtigen muss man sich schon ein paar Fragen stellen. Wie groß ist der Preis der Freiheit und wieviel sollte man bereit sein dafür zu zahlen? Irgendwie komme ich mir grade vor wie George W. Bush in einer Fernsehansprache. Es wirkt so pathetisch und unpassend aber vielleicht ist es das auch. Vielleicht ist die militärische Lösung einfach nicht der richtige Weg und ich bin mir sogar sicher daß es nicht der richtige ist. Warum sollte man also noch militärisch agieren? Letztenendes sind wir doch alle Freunde! Naja die USA haben da auch ein paar Feinde aber seien wir mal ehrlich, die haben die sich auch selbst geschaffen. Wie der verstorbene Bill Hicks einmal so schön sagte gibt es da draußen keine Bedrohung für die USA wobei er natürlich nur von Ländern spricht die man vorher nicht bewaffnet und ausgerüstet hat.

So wirkt es umso absonderlicher was heutzutage in Teilen der Welt vor sich geht. Sollen andere Länder wirklich für die Fehler der USA bluten? Oder am Ende sogar für die guten Taten gerade stehen? Wahrlich, es ist eine andere Realität und in ihrer Existenz schwer zu begreifen wenn man genau darüber nachdenkt. Ich meine man kann den USA und vielen ihrer Bürger nicht die Schuld geben da es oft einzelnen Personen zu verdanken ist die mal eben am längeren Hebel saßen. Ein Land allein deswegen zu verurteilen wäre ebenso unfair wie wenn man sagte Deutschland wäre komplett neonationalsozialistisch. Wie soll man aber dann vorgehen? Sich am Kopf kratzen, sich auf den Arsch setzen und warten? Neutral bleiben und hoffen daß es gut ausgeht? Ach ich weiß nicht. Das ist alles nicht so wirklich mein Ding. Ich sehe da viel zu sehr Contra und denke Quer und vielleicht fällt uns ja gemeinsam etwas ein um das Problem zu lösen. Denn Gemeinsamkeit ist gut und sollte gefördert werden. Bei allen möglicherweise guten Absichten sind Einzelgänger wie Charlie Wilson auf Dauer nämlich eher eine Gefahr als hilfreich. Ein Sieg am ersten Tag sieht am zweiten vielleicht schon wieder ganz anders aus. Reden wir aber nicht länger und handeln wir … sie wissen schon … als Team! Wir müssen aber längerfristig denken und sehr genau planen. Ich gebe zu daß das verdammt schwer ist. Ach vielleicht sind politische Einzelgänger doch nicht so schlecht. Vielleicht können wir es garnicht kontrollieren und es ist wirklich wie bei der Chaostheorie und dem Schmetterlingseffekt. Ja ich denke das könnte es sein auch wenn die Prognose dann eigentlich eher in Richtung eines Stillstandes geht. Einzelne wie Bin Laden bauen Terrornetzwerke auf und erfüllen die Menschen mit Angst während Präsidenten Militär einsetzen und Kriege in fremden Ländern führen, gegeneinander und mit Konsequenzen die immer noch mehr Leid bringen und Aufopferung fordern. Wäre da nicht auch noch ein Film denkbar? Ein Stoff wie ihn nur das Leben schreibt!