Jan’s Filmtipp - Death Proof (2007)

Ich hoffe ihr wundert euch nicht. Nun ja werte Leser es ist ein wenig verwirrend aber durchaus noch zu überblicken. Aufgrund des Chaos der letzten Wochen wurde meine Filmempfehlung für diese Woche schon letzte Woche online gestellt. Eben deswegen kommt nun, mit diesem Hinweis versehen, die ursprüngliche Empfehlung der letzten Woche in dieser Woche und erntet hoffentlich trotzdem eine gewisse Beachtung.

Das Thema ist ja immer noch Best of und nachdem ich in der Woche zuvor schon eine Menge Beispiele genannt habe wollte ich diese Woche noch einen Schritt weiter gehen. Diese Woche nämlich ist es Best of Teil 2 und da dachte ich mir warum sollte es als Thema nicht auch einmal um Teil 2 gehen? Gute Fortsetzungen sind selten, das wurde auch schon in Scream 2 (1997) ,während der Seminar Szene, amüsant und selbstironisch dargestellt und meist scheinen Sequels wirklich auch nur ein Weg für Produzenten zu sein billig und ohne viel Aufwand noch mehr Geld zu machen. Für Best of Teil 2 konnte es also nicht einfach irgendein Sequel sein aber vor allem musste es denn überhaupt ein Sequel sein? Letztenendes konnte es auch nur Teil eines Projekts sein und nicht Teil einer ganzen Geschichte. Anstatt Star Wars: Episode II - Attack of the Clones (2002) eher eine Episode aus Four Rooms (1995) womit ich sagen will daß es sich um eine Geschichte handeln kann welche nicht unbedingt mit den anderen verknüpft aber dennoch ein Teil des ganzen ist. Zwar gibt es Elemente in Four Rooms (1995) welche die Storys für den Zuschauer verbinden aber diese Verbindung ist für die Geschichte innerhalb der Episode nicht wirklich relevant.

Ich habe also für diese Woche den letzten Film von Quentin Tarantino ausgewählt und mit Death Proof (2007) den zweiten Teil des Grindhouse (2007) Double Features. Moment! Wieso Teil 2? Manch einer wird sich vielleicht wundern weil Death Proof hierzulande als erstes in die Kinos kam. Richtig! Dies wurde für Europa größtenteils geändert nachdem er in Amerika als zweiter Film hinter Robert Rodriguez Planet Terror (2007) zu sehen war. Hierzu kann der geneigte User auch gerne den US Trailer ansehen: Klickt hier! - 19 Mb. QuickTime. Das im Grunde wirklich interessante Double Feature floppte und man dachte sich es wäre sicherer beide Filme getrennt in die Kinos zu bringen. Nicht ganz zu unrecht da beide Filme am Stück zwar sehenswert aber auch nur für Hardcorefans des Genres oder der beiden Regisseure interessant sind. Diese Fans sind durchaus in großer Zahl vorhanden aber für die Industrie wohl nicht genug im Vergleich zum übermächtigen Mainstream dem die Grindhouse Filme stur auswichen. Wie sehr der Mainstream verfehlt wurde stellte sich in vielen Kinos heraus in denen sich Zuschauer über die schlechte Bildqualität beschwerten. Eine Tatsache welche für Verwirrung und Belustigung unter Kinomitarbeitern sorgte. Während die einen ebenfalls nicht wussten warum Death Proof und Planet Terror so viel Staub und Kratzer auf der Kopie hatten und sogar ganze Akte des Films fehlten konnten andere lächeln da sie wußten daß dies Absicht war. Allein im Originaltitel Grindhouse liegt viel von der Lösung des Rätsels verborgen.

Ein Grindhouse war, wenn man so will, ein Programmkino der besonderen Art. Im Gegensatz zum Arthouse liefen dort meist nur billig produzierte B-Movies, Eastern und Sexstreifen. Die Qualität der Storys und die Umsetzung waren selten der Rede wert aber allein das enorme Maß an Sex und Gewalt bescherte den Kinos einen echten Kultstatus und machte viele Filme zu Klassikern. Basierend auf diesem Kult schufen Rodriguez und Tarantino ihr neues Grindhouse und gingen damit soweit das Gefühl der alten Zeit bis ins kleinste Detail nachzubilden. Es sollte nicht nur ein simples wenn auch cooles Storygerüst haben sondern auch ein paar Eigenheiten und Legenden des Grindhouse darstellen. So geht die schlechte Bildqualität auf die schlichte Tatsache zurück daß Filmkopien damals wie heute teuer waren und immer noch sind. Wo sich große Studios bei einem Schadensfall eine neue Kopie leisten konnten die kleinen Billigfilmer oft keinen Ersatz bereit stellen weswegen die Streifen oft bis zur Unkenntlichkeit gespielt wurden. Hinzu kam daß sich bei Filmen mit sexuellem Inhalt auch durchaus mal ein Vorführer bediente und das ein oder andere Bild herausschnitt oder eben auch aufgrund von Schäden größere Segmente entfernen musste. Auch konnte es beim Transport von Kino zu Kino zum Verlust eines Aktes kommen wobei dies angeblich nur eine Legende ist die aber trotzdem ihren Weg in die Filme Death Proof und Planet Terror gefunden hat. Man könnte darüber noch viel sagen. Doch, ehrlich! Allein schon Tarantino hat sich in gewisserweise schon früh als Fan des Grindhouse geoutet als er Christian Slater und seine Angebetete Patricia Arquette in True Romance (1993) einen Sonny Chiba Marathon besuchen ließ. Dieser war dann später auch in Tarantinos Kill Bill: Vol. 1 zu sehen, einem Film welchen Tarantino ebenfalls auf diversen Grindhouse Filmen aufbaute wobei die Eastern in ihrer Qualität auch über dem Durchschnitt liegen konnten. Bei diesen Filmen war es aber auch oft der besondere Sex oder Gewaltfaktor welcher sie in die Schmuddelkinos, die Grindhouses drängte.

Nun aber zum eigentlichen Film. Death Proof erzählt die Geschichte von Stuntman Mike (Kurt Russell) der mit seinem Muscle Car auf die Jagd nach hübschen Mädchen geht. Der vernarbte Einzelgänger lockt Schönheiten mit Geschick in seinen Wagen oder geht sogar direkt auf Kollisionskurs mit anderen Wagen um seine Opfer zur Strecke zu bringen. Er selbst bleibt dabei unverletzt denn immerhin ist sein Auto ja Death Proof, Todsicher und für ihn als Stuntman die perfekte Waffe. Sein Treiben bleibt allerdings nicht unbemerkt. Nachdem er eine Gruppe Mädchen bei einem Frontalcrash getötet hat ist die Polizei etwas aufmerksamer. In dieser Sequenz wird die einzige wirkliche Verbindung zu Planet Terror gezogen durch den Auftritt von Marley Shelton als Dr. Dakota Block und Michael Parks als Earl McGraw die in den gleichen Rollen beide Filme bereichern. Bei Death Proof jedoch kann Stuntman Mike trotzdem wieder auf die Straße da es keinen nachweisbaren Vorsatz gibt. Freie Bahn also für den Psychopathen der schon wieder eine neue Gruppe Opfer erspäht hat. Allerdings hat er sich dieses Mal mit den falschen Mädels angelegt.

Man merkt bereits daß die Story nicht Oscarreif ist aber darum geht es auch nicht. Tarantino macht was Tarantino am besten kann und schreibt realen, schrägen bis coolen Figuren lässige Dialoge auf den Leib und gestaltet das ganze als liebevolle Zitatereise durch die Filmgeschichte anderer und seiner selbst. So sind z.B. die typischen Red Apple Zigaretten selbstredend im Film vertreten und zusammen mit vielen anderen Details gelingt ihm ein glaubwürdiger Nostalgietrip der wirklich wie ein Zeitsprung anmutet wäre da nicht…ja, wäre da nicht der ein oder andere Anachronismus. Obwohl über weite Strecken im 70er Jahre Grindhouse Stil gehalten (im Produktionsdesign sowie auch in der Bildqualität) finden sich auch Hinweise auf die Gegenwart. Es werden Handy benutzt und auf den Straßen fahren auch mal moderne Autos. Das wirkt allerdings nie störend und ist eher ein amüsanter und augenzwinkernder Gag als eine Schwäche.

Death Proof ist einmal mehr das Werk eines Filmverrückten und ein Geschenk an alle Cineasten und Interessierte welche ein wenig über den Tellerrand von modernen und oft unterforderten HD Systemen blicken wollen. Roh und ungeschliffen und trotzdem kompakt und unterhaltsam kommt diese kleine Geschichte daher und wartet mit coolen Sprüchen einem gewissen Maß an Sex und noch vielmehr Gewalt auf. Kurt Russell ist als abgefuckter Stuntman Mike perfekt besetzt und liefert eine gute Vorstellung. Wie auch schon bei Best of Teil 1 gilt hier weitgehend entspannen und genießen aber contra sehen kann man aufgrund der Filmgeschichte auf welcher Grindhouse basiert dennoch. Naja und was soll man schon gegen eine unterhaltsame Geschichtsstunde haben? Nichts kann den Spaß oder die historische Basis des Films schmälern und deswegen sollte der werte Leser wenigstens einmal zu Death Proof greifen und seinen DVD Player damit füttern. Wer einen Beamer sein eigen nennt kommt umso mehr in den Genuss des besonderen Grindhouse Feelings und was kann ich anderes tun als euch noch einmal auf Zeitreise zu schicken im Angesicht dieser geballten Kraft. Nicht viel. Nein, ich werde allenfalls auf eure Meinung warten, Kritiken lesen und mich vorbereiten für das nächste Mal. Neue Empfehlungen wollen geschrieben werden und hoffentlich gut ausgeruhte und neugierige User werden sie lesen. Auf anhaltender Zeitreise durch die Filmgeschichte, hier auf Contrasehen.de