Regie: Paul Thomas Anderson
Darsteller: Mark Wahlberg, Burt Reynolds, Julianne Moore, u.a.
Willkommen werter Leser! Ja, ich weiß, ich habe mir eine Woche Zeit gelassen aber es waren weitaus höhere Mächte Administratoren, Götter am Werk welche meinen Beitrag nicht online gestellt hätten. Es wäre ohne die Folge 05 von Contrasehen aber auch witzlos gewesen diese Empfehlung zu schreiben.
Diese Woche ist es das Thema Pornographie und ich muss gestehen nicht lange überlegt zu haben bei der Auswahl des Films. Nein werter Leser es ist nicht Internal Injections 2 (2007) (V) sondern ein Film der das Thema behandelt und nicht durchnimmt…oder wie auch immer man dazu…egal, Boogie Nights (1997) ist mein Favourit für dieses Thema und wird es auch bleiben. Naja und für all jene die gerne nacktes Fleisch sehen, keine Angst, es gibt durchaus auch da die ein oder andere Szene zu bestaunen. Der einzige Unterschied: Es wäre einfach verdammt schade wenn man die Szenen dazwischen durch vorspulen (oder Kapitel bzw. Timecodewahl) überspringt denn Boogie Nights (1997) ist trotz des Themas Porno eben weitaus mehr als eine pure Fleischbeschau oder rhythmische interne Injektionen (oder beides).
I am a big, bright, shining star. That’s right.
Eddie Adams (Mark Wahlberg) wäre sicher nur ein Jedermann mit dem üblichen Traum von Berühmtheit, ein Mensch, in mancher Hinsicht unterdurchschnittlich und trotz guten Aussehens wohl eher ein Verlierer. Aber Eddie ist eben nicht nur unterdurchschnittlich, nein in mancher Hinsicht ist er sogar weit darüber. Vor allem dank seines enormen Geschlechtsteils bekommt er die Chance in den Filmen von Porno Regisseur Jack Horner (Burt Reynolds) mitzuspielen. Horner verwandelt Eddie in Dirk Diggler, einen aufsteigenden Star mit eben der ganz speziellen Gabe. Das läuft sogar sehr gut und während der 70er in denen der Film beginnt bilden rauschende Parties, Sex, Drogen und einfach eine Menge Spaß das Zentrum von Eddies Welt. Sein Stern strahlt hell aber äußere sowie innere Einflüsse rütteln gar heftig an seinem Podest. Die Drogen und die Veränderungen in der Branche (z.B. billig zu produzierendes Video) machen es für Eddie und auch seine Kollegen nicht leicht die Party ihres Lebens fortzusetzen.
So und ohne wieder zuviel zu verraten möchte ich die Einführung in die Geschichte des Films beenden. Es sei zumindest gesagt daß Eddie schon verdammt tief stürzt aber dies könnte man auch ohne diesen Satz erahnen. Regisseur Paul Thomas Anderson gelingt es aber diese Berg und Talfahrt einer Pornokarriere ohne größere Klischees und mit Einfühlungsvermögen zu erzählen. Mit viel Liebe zum Detail inszeniert er die Szenen und als Zuschauer atmet man genüßlich die Atmosphäre der 70er und 80er Jahre während teils skurrile, tragisch komische aber glaubwürdige Charaktere sich sich die Klinke in die Hand geben. Gespielt werden die Figuren dabei von einer absolut großartigen Riege von Schauspielern. Neben Mark Wahlberg, Burt Reynolds und Julianne Moore präsentieren sich William H. Macy, Don Cheadle oder Philip Seymour Hoffman souverän und unterhaltsam. Dabei hat Heather Graham sicher einen der skurrilsten Charaktere zu interpretieren. Als blonde, sexy Bettakrobatin Rollergirl geht sie z.B. nie ohne ihre Rollschuhe mit einem Mann ins Bett und obwohl sie zweifellos ein Herz aus Gold hat macht ihr ihre Naivität einfach zu oft einen Strich durch die Rechnung auf dem langen Weg ernst genommen zu werden.
If it looks like shit, and it sounds like shit, than it must be shit.
Der Film ist wieder ein wundervolles Beispiel dafür daß eben nicht alles Gold ist was glänzt und das Ruhm bei aller Begabung hart erarbeitet werden muss. Auch muss Ruhm bewahrt werden was wieder harte Arbeit erfordert. Eddie als Beispiel versucht sich als Schauspieler in einer Porno/Krimi Serie und kann damit seinen Ruhm festigen wobei sein Ausflug ins Gesangsfach eher schwach ausfällt. Das Leben ist eben immer ein Kampf und wenn man mal bedenkt wieviele Menschen sich jährlich bei Castingshows bewerben, allgemeine Castings absolvieren und vom Leben als Star träumen dann sollte der Blick wieder auf Eddie fallen und ein gewisser Respekt sollte wachsen aus der Erkenntnis daß Wunsch und Wirklichkeit ein breiter Grenzstreifen trennt. Schließlich ist Eddie zu Anfang auch nur ein träumender Junge der nach den Sternen greift, ein Junge der naiv in diese Welt des Glamours geht und daran fast zerbricht. Eine Geschichte welche sich nicht zwingend nur in dieser Branche abspielen muss und damit auch ihre Geltung in anderen Medien und den damit verbunden Genres findet. Nicht naiv sein und auch mal contra sehen, hinter die Kulissen blicken und den Grund für den schönen Schein zu erspähen, oder zumindest das was den schönen Schein wirklich ausmachen kann, ist die Aufgabe für diesen Film. Wie immer verweise ich auf das Detail und dessen besondere Bedeutung aber mal ehrlich Leute ihr könnt euch den Film auch einfach zum Spaß anschauen. Nun und wer den Mut beweißt und den Film bis zum Ende sieht der darf sogar einmal ein Blick auf den Grund für Eddies Erfolg werfen. Was das ist? Na also wirklich aufmerksamer und werter Leser, ich hoffe nicht dies noch einmal erläutern zu müssen. Das sollte ich auch nicht denn bei aller Empfehlung muss ein Film auch immer noch ein Stück weit Geheimnis bleiben, auf Entdeckung warten und so können die letzten Worte eigentlich nur lauten: Geht den Weg zum Händler, zur Videothek eures Vertrauens und besorgt es euch! Ok gut die letzten Worte sind ein bewusst flaches Wortspiel und nicht wirklich witzig aber die Aussage ist doch trotzdem klar. So geht mit Gott, geht auf Zeitreise und lasst Boogie Nights auf euch wirken. Er wird euch berühren, er wird euch fesseln, er wird euch befr…äh Nein, keine Wortspiele mehr. Boogie Nights ist Magie, Boogie Nights ist einfach ein guter Film, ein moderner Klassiker und macht Mut denn wenn alle Stricke im harten Kampf des Lebens reißen reicht im Grunde nur ein Blick auf die Tagline des Films. Einige einfache Worte: Everyone has one special thing! Na also wenn das nicht aufmuntert…