Jan’s Filmtipp - Acción mutante (1993)

Regie: Álex de la Iglesia
Darsteller: Antonio Resines, Frédérique Feder, Jaime Blanch, u.a.

Willkommen werter Leser! Ja, es ist mal wieder soweit! Der Filmtipp kommt und ist einmal mehr unentschlossen. Das Thema dieser Woche ist Terrorist sucht Sponsor! und damit ebenso breit gefächert wie die meisten Themen der letzten Wochen. Jedoch muss man sagen daß das Thema Terror in den letzten Jahren an Brisanz gewonnen hat. Anschläge wie die vom 11. September und der Krieg in Afghanistan oder dem Irak haben die Welt der Geschichten in Aufruhr versetzt, mehr und mehr werden Filme zu dem Thema gemacht und Amerika verarbeitet seine Probleme wie es das am besten kann. Hollywood ist eben immer noch die Traumfabrik aber auf der anderen Seite wäre es zu einfach sich einen Film zum Terror der heutigen Zeit anzusehen. Es wäre zu einfach sich einen Film zum Thema des IRA Terrors oder der RAF anzusehen. Ja, einmal mehr wollen wir contra sehen und so suchte ich keinen Hollywoodfilm aus und wählte einen spanischen, modernen Klassiker.

Acción mutante (1993) von Álex de la Iglesia (Perdita Durango (1997), El Día de la bestia (1995)) ist ein Film über eine ganz andere Art von Terror. Die Welt der Zukunft ist glamourös, glitzernd und beherrscht von den Schönen und Reichen. Es ist eine Welt wie man sie heute schon aus den Boulevard Magazinen kennt und in der es keine Fehler gibt. Das einzige Problem ist die Acción mutante, eine Terrorgruppe welche immer wieder und ohne nachzulassen Anschläge auf die schöne, neue Welt verübt und unter der Führung von Ramon Yarritu zu einer echten Bedrohung wird. Denn Yarritu und seine Leute entführen Patricia Orujo, die Tochter eines reichen Industriellen, von ihrer Hochzeit um sie als Druckmittel für ihre Sache einzusetzen.

Jedoch, was ist die Sache? Wofür kämpft die Acción mutante? Nun ja, wie der Titel vielleicht ein wenig verrät, besteht die Gruppe aus Mutanten und ähnlich wie in X-Men (2000) haben es jene die anders sind nicht leicht in der Welt. Das Problem ist tatsächlich nicht fremd und in diesem Film trotz aller Verrücktheiten und SciFi Themen realistisch umgesetzt. Denn was als Mutation angesehen wird ist nicht etwa so etwas wie Pyro oder Telekinese, Engelsflügel oder Energiestrahlen aus James Marsden’s Augen sondern eher so etwas wie Homosexualität, Kommunismus oder schlicht keine 100% Kompatibilität zum allgemein geltenden Schönheitsideal. Jeder der Mutanten ist geächtet und leidet darunter weswegen Ramon Yarritu mit der Acción mutante für die Rechte der Missgebildeten kämpft.

So kann man im Grunde keinen Groll gegen die Terroristen hegen und es erscheinen viel eher die Schönen als Monster und so mancher Mutant erblüht … innerlich! Ok, gut es ist ein Film der inneren Werte und auch damit eine Empfehlung wert da man ja auch im echten Leben viel öfter auf die inneren Werte achten sollte. Nicht jeder welcher auf den ersten Blick nicht so ganz in unsere Welt zu passen scheint muss auch ein Mutant sein. Ohnehin sollte der Mensch nicht faul sein seine Mitmenschen stets zu prüfen. Wie George Bernard Shaw (Autor, My Fair Lady (1964)) einst so treffend sagte: “Der einzig vernünftige Mensch den ich kenne ist mein Schneider denn er nimmt jedesmal neu Maß wenn er mich trifft.”

Der Film entwickelt eine besondere Energie nach der Entführung. Ramon will das Lösegeld für Patricia Orujo aber da Mutanten bei aller Liebe und Verständnis eben auch nicht perfekt sind gibt es Stress und nach einigem hin und her stürzt das Raumschiff der Gruppe auf dem Planeten Axturiax ab, einem Planeten welcher von verrückten Bergleuten ohne Frauen bewohnt wird. Soviel muss man wissen um sich dem Film zu nähern. Alle Bilder und möglichen Ausschnitte wirken grob und blutig wie ein Stück Schlachtvieh. Tatsächlich ist der Film in seiner ungeschnittenen Fassung ziemlich stark in dem roten Lebenssaft getränkt aber das ganze wirkt dabei nie verherrlichend und eher absurd als wirklich erschreckend und damit der Satire durchaus zuträglich. Das Produktionsdesign ist ebenfalls alles andere als glatt poliert und erinnert eher an einen Terry Gilliam (Autor, Monty Python and the Holy Grail (1975)) Film gehobener Klasse als an einen 08/15 Hollywood Schinken. Die Brillianz Gilliams wird dabei zwar nicht erreicht aber trotzdem ist es diese besondere Verschrobenheit welche letztendlich auch hier ihren visuellen Reiz ausübt. Irgendwo zwischen Twelve Monkeys (1995) und Mad Max (1979) sitzen also die Mutanten aus Acción mutante und bitten um Aufmerksamkeit und ich möchte sie ihnen geben. Denn auch wenn ihr Film nicht der beste Film aller Zeiten ist und auch nicht das Meisterwerk eines langen Lebens so ist er doch zumindest ein Film mit einer Botschaft welcher darüber hinaus noch eine schräge und kantige Form der Unterhaltung bietet. Ein Film mit Humor der tiefschwarzen Sorte der äußerlich vielleicht selbst wie ein Mutant wirkt aber ebenso wie seine Helden ein Herz hat und genauso die zarten, sympathischen Spuren einer Seele.