Regie: Sidney Lumet
Darsteller: Faye Dunaway, William Holden, Peter Finch
Zum Thema Medien möchte ich dem geneigten Leser gerne einen Klassiker der Geschichte empfehlen. 1976 schuf Sidney Lumet mit dem Film Network eine bissige Satire über die Medienwelt und speziell das Fernsehen. Wer den Film bis jetzt nicht kennt hat bestimmt schon mal davon gehört. Eine der einprägsamsten Szenen war Teil eines Gesprächs zwischen Jennifer Lopez und George Clooney in Out of Sight (1998) und selbst Teen Serien wie z.B. Buffy – Im Bann der Dämonen verwiesen bereits in Dialogen auf Lumets bekanntes Werk. Die Geschichte des Films ist dabei im Grunde genommen einfach. Mitte der 70er hat ein TV Sender in den USA ein Problem und zwar die sinkenden Quoten. Um dieses Problem in den Griff zu bekommen will man das Konzept, das Sendeschema ändern und mehr Entertainment bringen. Da jedoch tut sich ein anderes Problem auf für einige Angestellte wie Howard Beale (Peter Finch) einem Anchorman welcher in die Jahre gekommen ist und nicht mehr in die schöne neue Medienwelt zu passen scheint. Beales Quoten sind einfach nicht mehr hoch genug weswegen er schlicht gefeuert werden soll. Beale jedoch reagiert bei weitem nicht wie erwartet, vor laufenden Kameras kündigt er seinen Selbstmord an und erzielt damit ein Interesse welches die Oberen des Senders ebenfalls interessiert aufhorchen lässt. Sie nutzen Beales Wut gezielt für ihr neues Konzept und geben ihm sogar eine eigene Show in welcher er als „Prophet“ seiner Wut in flammenden Reden freien Lauf lassen kann. Er zieht mehr und mehr Aufmerksamkeit auf sich durch die persönliche Wahrheit welche er von nun an jeden Abend der Woche über den TV Schirm verbreitet. Die Quoten sind traumhaft und im Grunde könnte alles großartig sein aber da Beale zum einen die Medienwelt anklagt, also seine Arbeitgeber und natürlich auch noch seinen Selbstmord den Zuschauern schuldet ist die Geschichte da noch lange nicht zu Ende. Ich möchte hier auch nicht über das Ende reden da ich es persönlich hasse über einen Film zuviel zu erfahren bevor ich ihn gesehen habe. Ich möchte mich vielmehr noch auf ein paar Kleinigkeiten beziehen wie die in Out of Sight erwähnte Szene. Eine Szene welche die Macht der Medien zeigt auch wenn sie in der Form heute wohl nicht mehr passieren würde (wenn überhaupt). Beale ist einer seiner Sendungen wieder einmal am Reden schwingen. Er spricht davon wie schlimm die Welt ist, er spricht von der Arbeitslosigkeit, der Kriminalität und all den Problemen der Gesellschaft welche eigentlich jedem bekannt sind. Er spricht auch davon dass er niemandem etwas darüber erzählen muss und da im Prinzip jeder weiß wie verrückt die Welt ist sollte eigentlich niemand mehr vor die Tür gehen. Na ja zumindest ist dies ein wenig das Bild welches einem zuhause vor dem TV während man gemütlich sein Essen isst vermittelt wird. Die Welt wird zunehmend kleiner und im Grunde wollen alle auf einmal nur alleine gelassen werden mit ihrem TV und ihrem Toaster und all den kleinen Annehmlichkeiten des Haushalts. Jedoch sagt Beale will er die Zuschauer nicht alleine lassen und spricht davon ein Zeichen zu setzen. Er wendet sich an jeden Zuschauer und verlangt von jedem der all die Verrücktheit und den wertlosen Schein des Lebens nicht mehr ertragen kann aufzustehen und zuallererst einmal wütend zu werden. Jeder Zuschauer soll sagen: „Ich bin ein menschliches Wesen! Verdammt noch mal mein Leben hat einen Wert!“ Er verlangt von jedem nun ans Fenster zu gehen und dies zu öffnen. Er verlangt von den Zuschauern sich hinaus zu beugen und laut zu rufen: „Ich bin verdammt wütend und ich lasse mir das nicht mehr länger gefallen!“ (’I'M AS MAD AS HELL, AND I’M NOT GOING TO TAKE THIS ANYMORE!’). Die Reaktionen darauf sind wahrlich heftig da plötzlich im gesamten Land überall Leute ihre Fenster öffnen und eben diesen Satz voller Inbrunst rufen. Ein magischer Moment des Films und der Filmgeschichte. Bei der heutigen Sendervielfalt ist so etwas zwar eher ungewöhnlich und unglaubwürdig aber als ein Zeichen seiner Zeit hat Network damit einen Standpunkt gesetzt. Man darf aber nicht vergessen dass selbst heutzutage Sendungen die Entscheidungen der Zuschauer beeinflussen. Mal mehr und mal weniger offensiv und obwohl wir eigentlich aufgeklärter und klüger sein müssten sollten wir uns fragen inwieweit wir uns nicht auch dann und wann von den Medien beeinflussen lassen. Doch zurück zum Film, handwerklich kann man daran auch nicht bemängeln. Die Regie von Lumet ist präzise und erzählt die Geschichte mit der nötigen Ernsthaftigkeit um das ganze Glaubwürdig zu machen. Lumet wollte ja auch primär eine Erzählung über die tatsächlichen Umstände der Zeit machen und keine Satire. Eigentlich sehr bezeichnend für die Umstände wenn man sich beim betrachten des Films fragt wie abstrakt es noch werden kann. Die Grenzen nach oben sind da denke ich offen.
Schauspielerisch ist Peter Finch als Howard Beale großartig und wurde sogar mit dem Oscar geehrt. Traurigerweise erlebte Finch diese Ehrung nicht mehr da er kurz vor der Verleihung starb. Er ist der erste und bis jetzt einzige Darsteller welcher posthum mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Network ist somit auch Finchs Vermächtnis an die Nachwelt. Ein Film der zum einen unterhaltsam ist aber auch zum Nachdenken anregt und definitiv mindestens einmal angesehen werden sollte.


